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Grüße!!

Hey Leute! Willkommen auf unserem Indien-Blog!
Wir sind Vitali, Horst und Daniel und schreiben hier über unsere Reise nach Indien 2011. Es war eine geile Zeit, viel Spaß beim lesen!
Die tibetanische Teeparty



Diesmal war ich allein in Varkala. Bei einem Abendspaziergang durch die Gassen des Urlaubsortes schallte aus dem hinteren Teil eines Shops BBC World News. Der Klang des Bildungsfernsehens zog mich regelrecht aus der Dunkelheit in die Hütte. Dort kam ich schnell mit Tenzin, dem tibetanischen Shopbesitzer ins Gespräch. Er war ein Flüchtling und hatte 6 Jahre als Mönch im Kloster seiner Heilligkeit dem Dalai Lama gedient. In Tibet war ein menschenwürdiges Leben wegen den andauernden Aggressionen Chinas nicht möglich und so sind 1961 seine Eltern nach Indien geflohen. Damals sind diese zu tibetianischen Normaden geworden und irrten 2 Jahre verängstigt und planlos im Himalaya her rum. Auch Tenzin selbst hatte sich, obwohl er keine indische Staatsbürgerschaft bekommt, dort nie niederlassen können. Neben seinem Leben als Mönch hatte der 37 Jährige Geschichte studiert, geheiratet und mit seiner Frau einen inzwischen 4 Jahre alten Sohn. Ein interessanter Kerl also. Und so verbrachten wir Abend um Abend nach dem er seinen Laden zu gemacht hatte, gemeinsam bei ihm in der kleinen direkt hinter seinem tibetanischen Geschenkeladen. Wir fühlten uns beide als Ausländer in Indien verbunden und erzählten uns viel von unseren Heimaten und schwadronierten mehr über internationale Politik, als über den indischen Volkssport Kricket.

Der tibetian Shanti Market, Tenzins war die 2. Hütte. Schwer zu sehen, er sitzt gerade vor seinem Shop.

Tenzin arbeite im Jahr 10 Monate in Varkala, um sich dann für 2 Monate mit etwas Geld in der Tasche um seine Familie kümmern zu können, die er im gut 1200 Km entfernten Himalaya beheimate. Diese Saison war soweit schlecht für ihn verlaufen. Doch sein Ziel für das Jahr war es seinem Sohn ein neues Bett und einen Schreibtisch kaufen zu können. Da ich zuhause bei der IMPULSE Agentur in Projekten der Einzelhandelsberatung arbeite, bat mich Tenzin ihn mit seinem Geschäft zu beraten. Consulting eines tibetanischen Shops, das war mir neu. Doch im Endeffekt hatte er doch keine anderen Probleme als Einzelhändler in Dortmund. Seine Bücher führte er gut. Sein Sortiment war durchdacht. Er hielt sein Lager klein und die Topseller für Kunden parat. Die Waren fanden in der Hütte, die zwischen Kokuspalmen aufgespannt war, gut Platz, wurden ausreichend ausgeleuchtet und waren ordentlich präsentiert. Auch hatte er zu jedem Artikel eine Story in petto. Jedes der buddistischen Items war mit bedeutungsschwangeren Symbolen geschmückt. Das einzige was dort fehlte waren ausreichend Kunden. Tenzin erklärte mir, bei einem Umsatz über 1.000 Rupies (16€) hat er einen guten Tag und kann einen Gewinn von 6 oder 7€ mitnehmen. Oft genug gab es jedoch Tage ohne Kunden oder mit einem lausigen Ladenumsatz von 200-300 Rs (< 5€). Zur Einordnung, für ein Curry zahlte man in Varkala knappe 1,60€ und so das nach Abzug der Ladenmiete nicht mehr viel überblieb. Er brauchte mehr Kunden.

Eines Abends, Tenzin hatte mir gezeigt, wie man Chapatti – einfachstes Pfannenbrot – zu bereitet (was schlicht mit Marmelade und einem Stück Butter eingerollt hervoragend schmeckte), kam mir die Idee. Wir brauchten eine gezielte Marketing Aktion. Jetzt fand ich das der eig. Schüchterne Tenzin echt was zu erzählen hatte und das Thema Tibet sowieso mehr Menschen interessieren sollte. Also lud ich andere Traveller zu einem tibetanischen Abend in Tenzins Shop ein. 20 Tibet interessierte kamen in damit gemütlich überfüllten Shop. Ich begrüßte alle und stellte den Gastgeber Tenzin mit seiner Geschichte vor. Wir boten den Gästen Mangotee, Wassermelone und Kekse. Die Themen über die wir sprachen waren der Dalai Lama, Buddhismus und die entsprechenden Shopitems. Diese reichten von Schriften mit buddhistischen Weisheiten über tibetanische Gebetsschüsseln mit denen sich mystische Töne erzeugen ließen und Büffelwolldecken über regionalen Silberschmuck. Das Konzept ging auf, alle hatten einen netten Abend und sahen nicht mehr nur noch die Gegenstände, sondern verbanden jeweils eine Geschichte damit. Jeder wollte was haben und so machte Tenzin die darauf folgenden Tage einen satten Umsatz von je über 60€. Damit kann er dieses Jahr eher zurück zu seiner Familie und seinem Sohn Bett und Schreibtisch für die Schule kaufen.

Die Organisation der Tee Party hatte geklappt, trotz Bedenken die Polizei könnte kommen oder indische Shopbesitzer könnten sich beschweren. Indien ist ein Land der Unternehmer, aber kein Land der Innovationen. Alle machen das gleiche, neues versuchen ist gesellschaftlich i.d.R. nicht gewünscht. Ob er das nachhaltig umsetzen kann, weiss ich noch nicht. Die Händler des sog. Tibetian Shanti Market haben sowieso eine andere Verkaufsphilosophie, als ihre indischen Kollegen. Die Inder rufen lautstark aufdringlich jedem Touri auf nervtötende Weise hinterher „Mein friend. Come. Good price.“ Die Tibeter sitzen da in ihren Hütten, sagen kein Wort und warten bis ein Kunde mit Waren in der Hand zu ihnen kommt.
1.5.11 07:21
 







Unsere Indienreise 2011